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Breaking-the-silenceDas Schweigen brechen – in Israel wie in der Schweiz.

Ein Kommentar zur eben zu Ende gegangenen Ausstellung in Zürich

Der Stiftung „Audiatur“ und einigen Rechts-Aussen Parlamentariern missfiel, dass in Zürich eine Ausstellung der israelischen Organisation „Breaking the Silence“ stattfand. Sie warfen der von der Stadt Zürich und des Department des Äusseren (EDA) finanziell unterstützten Ausstellung vor, „üble Propaganda, Desinformation und politische Ideologien des Hasses und der Ausgrenzung“ zu verbreiten.

 

Die Ausstellung besteht aus Fotos, die israelische Soldaten während ihrer Dienstzeit in der West Bank oder im Gazastreifen machten. Ein wiederkehrendes Motiv sind kniende Palästinenser in Handschellen, die Augen verbunden. Neben ihnen posieren israelische Soldaten für die Kamera. Aus den kurzen Texten zu den Bildern wird klar, dass es sich bei den Festgehaltenen nicht um Verbrecher in Gewahrsam handelt.

Sie sind Menschen auf dem Weg nach Hause, zur Arbeit oder zu Freunden und müssen auf ihrem Weg einen von Israel kontrollierten Checkpoint passieren. Dort werden sie festgehalten und nach einigen Stunden der Demütigung wieder freigelassen.

Ein anderes Bild zeigt zwei Soldaten in Vollmontur in einem Wohnzimmer am Fussballschauen. Das Wohnzimmer gehört einer palästinensischen Familie, die für die Dauer des Spiels ihr Haus räumen musste.

Solche Situationen der Erniedrigung und Willkür gehören für die Bevölkerung der von Israel besetzten Gebiete zum Alltag; Dinge über die man in Israel üblicherweise nicht redet. Treffend ist daher der Name der israelischen Organisation, die diese Realitäten an die Öffentlichkeit bringt: „Breaking the Silence“.

Das Schweigen muss nicht nur in Israel gebrochen werden: Auch bei uns in der Schweiz oder Europa herrscht Schweigen: Denn Israel ist unantastbar. Die Knebelung der Palästinenser in der Westbank, die Diskriminierung der israelischen Palästinenser in Israel (welche zur Minderheit im eigenen Land geworden sind), die Blockade von Gaza und die Kriege, die Israel periodisch gegen Gaza führt, das sind alles Angelegenheiten, welche von unseren Medien mit einer rührenden Diskretion behandelt werden.

Einzelne Aspekte dieser systematischen Verletzung der Menschenrechte durch Israel kamen aber jetzt bei der Ausstellung „Breaking the silence“ zum Ausdruck und konnten durch die Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Die Israel-Lobby versuchte über seinen eifrigsten Vertreter, die „Audiatur-Stiftung“, in zahlreichen Pamphleten die Organisatoren als „antisemitisch“ zu verunglimpfen. Extrem gestört hat sie offensichtlich, dass jüdische Menschen und Organisationen massgeblich am Zustandekommen der Ausstellung beteiligt waren.  

„Das Schweigen brechen“ in Bezug auf Verletzung von Menschenrechten durch Israel muss auch in der Schweiz geschehen. Das Hauptanliegen der Israel Lobby ist offensichtlich: Über die Verbrechen der israelischen Armee in der West Bank, in Gaza und anderswo soll Schweigen herrschen. Der Angriff gegen die Stadt Zürich und das EDA ist kein Zufall: Ohne finanzielle Mittel ist eine solche Ausstellung nicht möglich und genügend private Mittel, um die Ausstellung zu finanzieren, sind schwierig aufzutreiben. Das Finanzieren einer solchen Ausstellung durch die öffentliche Hand war daher ein wichtiger Faktor, um das Schweigen zu brechen.

Das Ziel der „Audiatur-Stiftung“ und der Rechts-Aussen-Parlamentarier: Über solche Missetaten den Mantel des Schweigen zu legen - in der Schweiz wie in Israel wurde weit verfehlt!

14.6.2015    Alan da Luz